Erfahrungsbericht von Hilde
Erfahrung III (4) für newsletter vier; hilde 48 jahre.
Hilde kommt aus einem sympathischen 30-Stunden Job einer kleinen Familienfirma, wo sie ihren Hund mitnehmen konnte. im Leben war alles eingespielt. Leider hat der Seniorchef – sich zur Ruhe setzend – einen Manager aus Deutschland engagiert, und dieser drängte die Assistentin der Geschäftsführung raus: das war die Hilde. Noch in ihrer Resturlaubszeit wird Hilde in eine Maßnahme gedrängt. Da sie am Ams nämlich brav Frühmelderin war und Frauen mit 45+ SOFORT eine Maßnahme zugewiesen bekommen (wurde ihr 2017 gesagt). In der Maßnahme, welche um die 8 Wochen dauert, sitzt die ausgebildete Assistentin-Geschäftsführung im sogenannten ECO-SI kurs. Es kommt nicht wirklich gut rüber, wenn sie sich gleich anfangs gegen so eine Maßnahme stemmt. Um die Sinnhaftigkeit dieses Unterfanges journalistisch zu beleuchten, reflektiert sie alle ~40 Tage des Kurses (inkl ‚Abschlussprüfung‘) online tagesaktuell in ihrem Facebook. Der IG ältere-arbeitsuchende Österreichs erschließt sich bis heute der inhalt des ECO-SI nicht wirklich, auch ist so eine Anforderung in keinen Job-Ausschreibungen zu finden.
Es sind jedenfalls alle in Hildes kurs ganz versessen draauf, die Prüfung zu schaffen und den Kurs abzuschließen. Hilde hat alle Mühe, in dieser Zeit das Pflege-Management ihres Hundes auf die Reihe zu bekommen (sie rast dafür in der ‚Mittagspause‘ nachhause). Sie wohnt alleine und dieses Problem interessiert natürlich niemanden; der Hund fremdelt nämlich deutlich. Hilde ist nach acht Wochen sehr froh, dieses ECO-SI beendet zu haben. Sie bedauert einzig, die stressige Zeit in dem seltsamen namenlosen kurs nicht gleich unmittelbar und exklusiv ihrer schon in die Gänge gekommenen Bewerbungsaktivitäten widmen haben zu können.
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Erfahrungsbericht von Horst
Horst war 13 jahre lang reisender Großhandelsangestellter für eine Lebensmittelkette, die mit einer anderen fusioniert wurde. Horst ist etwas untersetzt und knapp 50 mit Matura-abschluss, nicht akademisch. Da er seit knapp einem Jahr wöchentlich mehrere Bewerbungen schreibt, in denen er das Geburtsjahr elegant kaschiert (er gibt erst den Maturajahrgang an), und trotzdem kaum Einladungen erhält, legt ihm das AMS den Kontakt zu einem Arbeitskräfteüberlasser nahe. Dies bedeutet, dass die Arbeitsstätte mehrfach gewechselt wird und Horst außerdem einem Kollektivvertrag für Leihpersonal unterliegt. Horst ist kürzlich infolge Trennung zwar in eine kleinere Wohnung gezogen, konnte die Lebenshaltungskosten jedoch nicht merklich reduzieren.
Den Leiharbeitsvertrag würde er außerdem nicht für Vollzeit bekommen – in Nicht-Leih-Zeiten erhielte er das sogenannte Stehgeld: also noch weniger als den ohnehin schon kargen Kollektivvertragslohn. Wenn Horst den Vertrag annimmt, riskiert er das Weggehalten-werden von lukrativeren, adäquaten Jobs, sowie die früher oder später eintretende Geldknappheit. Verhält er sich dem Leiharbeits-Anbieter irgendwie auffällig zurückhaltend, ist mit einer Bezugssperre infolge ‚Vereitelung‘ zu rechnen (6 Wochen, 8 Wochen bei Wiederholung). Da Horst in ärztlicher Behandlung steht, darf er die Sperre nicht riskieren. Leidensgenossen sagten ihm, dass es im Fall einer Sperre Probleme mit der Krankenversicherung geben kann, weil die 6-Wochen-Nachfrist nicht immer greift. Er müsste sich vor jeder Behandlung erkundigen, ob er denn jetzt krankenversichert sei (falls er Bezugssperre bekommt).
Erfahrungsbericht von Angela
Andrea ist Alleinerzieherin eines Sohnes mit ADS (16 J), der gerade im Umstieg von Schule auf Lehrstelle ist und viel Betreuung braucht. Andrea hat ihre Stelle als Ordinationshilfe verloren, da die Kassenärztin, wo sie war, nun pensioniert ist. Der Ex-Lebensabschnittspartner kann den Sohn finanziell unterstützen, Angela muss sich aber alleine erhalten. Als Ordi-Hilfe in Teilzeit kam sie über die Runden. Ihr ALG ist nun entsprechend niedrig. Die Problematik, mit der Angela aber nun konfrontiert ist, ist die Verpflichtung zu einem Vollzeitjob. Das Kind ist nicht mehr minderjährig. Dass der Bub ein bisschen verhaltensauffällig ist, zählt für die Akten nicht. Entsprechend neuer Weisung haben die Zumutbarkeitsbestimmungen (Vollzeit (flexibel!) + 2h Wegzeit hin/rück) lückenlos angewandt zu werden. Auf Vollzeitstellen außerhalb der Großstadt muss sich Angela (auf Öffis angewiesen) bewerben. Hinsichtlich der Erziehungspflicht getraut sie sich nicht, Andeutungen im Bewerbungsschreiben zu machen – es besteht Angst, dass ihr daraus ein Strick gedreht werden könnte, was eine subtile ‚Weigerung‘ angehen würde. Denn eine Sanktion hierauf ist für Angela unleistbar. „Die Gesetze gelten für alle gleich“, so ihr Berater zu ihr: Recht auf Teilzeit haben nur Eltern minderjähriger Kinder. Angela schreibt weiterhin innerstädtisch verkehrsgünstige Ordinationen und Gemeinschaftspraxen an, in der Hoffnung auf familienfreundliche Dienstzeiten. Statt ihr nähme man lieber die ganz jungen Damen, die 'in der Praxis was hermachen' (so einer der 'Stellenanbieter' zu ihr). Zuweisungen, die sie in ihrem eAms-Konto findet, erfüllen Andrea jedes mal mit Angstgefühlen. Sie will wieder zurück in jene Art von Arbeit, die sie die letzten 20 Jahre ausgeführt hat. Momentan hat Andrea den Eindruck, sie hätte die Kontrolle über ihr Leben abgegeben. Ihr Sohn sucht selber gerade seine erste Lehrstelle – versucht aber, der Mama Mut zuzusprechen.
40-„flott4job=NotEnough“
dies ist die kampagne für eine rücksicht auf ältere arbeitnehmer mit / ohne behinderung, teils akademisch, oftmals auch ohne kognitive einschränkung – durchwegs jedoch schwer gezeichnet von traumatisierungen, die durch hire/fire, altersmobbing entstehen. Entgegen der kursierenden meinung ist es nicht so, dass die älteren AN besonders sicher in ihren satteln ruhen – viel eher werden sie (weil zu ‚teuer‘) am liebsten abgestoßen, bevor ein kündigungs-schutz greift: einmal krank, konflikt oder reha genügt da durchaus oft.
Was nicht passend ist, wird passend gemacht, besagen 3 deutliche interviews im arbeits- und wirtschaftsblog. Keine redewendung könnte es wohl besser treffen. Per stichwort ‚umschulung‘ wird aus einem eisernen nagel eine nicht-rostfreie schraubenmutter gedrechselt und dann mit null einschlägiger erfahrung zum preis des ersten berufsjahrs wieder herrenlos auf dem markt ausgesetzt. Uns erinnert das an ein frankenstein-monster.
Die wiedereingliederungsteilzeit WE-TZ kann dann in anspruch genommen werden, wenn man mindestens 3 monate ganztags beim dienstgeber beschäftigt war, und davon soll man dann bitte 6 wochen im krankenstand gewesen sein. Dann käme die WE-TZ, und diese auch nur unter dem druck, dass der arme arbeitslose gefälligst zeitnah wieder in richtung vollzeittätigkeit manipuliert wird, i.e. belasten, druck machen – sodass er entnervt das stundenkontingent erhöht. Obwohl sie / (er) nicht mehr kann, mehrfach ausgebrannt, natürlich sowieso depressiv ist. Das pensionsalter brüsk erhöhen, und so tun als gäbe es nur jung springende, funktionierende duracell häschen: das geht sich nicht mehr aus.
Für die pension zu ‚jung‘ oder zu gesund, vom arbeitsmarkt gehasst (tatsachenbedingt kann mans nicht anders ausdrücken), und in vollzeit einfach nicht mehr einsatzfähig. Rücksicht null, alles was nicht funktioniert, bekommt den vereitelungsparagraphen. So geht sich das an beiden enden einfach nicht aus. Klar resignieren die leute.
wir freuen uns, euch unsere erfahrungsrubrik vorstellen zu können. es sind berichte von arbeitslosen, die in erwerbslosen-initiativen um rat suchten, wenn probleme mit dem arbeitsmarktservice auftraten. koffiemok.antville.org
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