Monday, 11. May 2020

XII) Bemessung aus dem Hinterhalt

Wie eine weitere österr. Selbstorganisierte Erwerbslosengruppe unlängst treffend festgestellt hat, hat sich klammheimlich im §21 des ALVG die Basis für die Bemessungsgrundlage geändert. Würde man sich jetzt (Mai) AL melden, würde das gesamte Kalenderjahr 2018 herangezogen. Meldet man sich ab dem 1. Juli, wird NICHT das gesamte Kalenderjahr 2019 herangezogen, sondern der 1.7.2019 bis 30.6.2020 – und der Grund ist einfach. Über eine Million Arbeitnehmer sind in Kurzarbeit, also seit Mitte März auf etwa 80% ihres Gehalt herabgesetzt. Es ist nicht sicher, dass sich alle Firmen, die Kurzarbeit meldeten, weiterhin halten können. Die ein oder anderen Kündigungen wird es also leider trotz des teuren Rettungsversuchs geben müssen. Im 19-er Jahr verdienten diese Neu-gekündigten noch normal. Billiger kommt es den Staat, die Phase der Kurzarbeit mit einfließen zu lassen. Das vorvorige Jahr im ersten Halbjahr heranzuziehen, lag einst daran, dass – wenn sich eine Kündigung abzeichnete, der Arbeitnehmer nicht noch schnell viel verdienen können sollte (um an der Bemessung was zu drehen). Nun stehen wir vorm umgekehrten Fall: die Phase des Wenigerverdienens soll in der Bemessung Berücksichtigung finden. Eine Novelle, die nirgends in den Medien ihren Widerhall fand, auch nicht in den rundfunkübertragenen NR-Sitzungen. Mit diesem kleinen Beitrag über die neue Bemessung per §21 wollen wir aufzeigen, dass derlei kleine Einschnitte von den Initiativen sehr wohl bemerkt werden.



| Solana um 17:02 | |
Sunday, 10. May 2020

XI) Teufelskreis der Ausgrenzung

oder: warum es ältere gekündigte wiederholt am arbeitsmarkt schwer haben werden. Wir schreiben die darlegung in der du-form an den chef (in reminiszenz ans einst so gute, und auch schon aus dem cyberraum entfernte chefduzen.at (erwähnt auf sanprecario.prekaer.at ) wir – ältere_arbeitsuchende_österreicher – verzichten im sinne besserer lesbarkeit aufs gendern und sprechen von männl. UND weiblichen ‚alten‘. Also, chef. Hol dir einen alten. Alt, das ist etwa 48 jahre. Hol dir 1 alten, wenn du grad niemanden hast, der an der neuen stelle einschult und wo die vorherige kraft einen saustall hinterlassen hat (geht wie immer um bürojobs). Profitiere von seiner erfahrung, wie er das alles wieder hinkriegt, auf die reihe bringt – und damit auch eigene ideen, dinge die er in früheren jobs gelernt hat (abläufe, ordnungssysteme, gesamtsoziale arbeitsstrategien, bis hin zur taktischen gesprächsführung und vernetzung). Enthalte ihm die arbeitsplatzbeschreibung vor, schule ihn nicht: denn erstens ist er alt und wird’s eh nicht kapieren wie die jungen – zweitens behältst du ihn ja eh nicht. Kralle dir von ihm die eingliederungsbeihilfe, die ein halbes jahr dauert. Mach zu deiner eigenen absicherung überhaupt gleich einen befristeten vertrag mit option auf verlängerung (berühmte karotte auf den rücken binden, dass der esel rennt). Lobe ihn NIE. Er braucht es nicht. Kritisiere viel und zermürbe ihn ‚zu tode‘, denn du verfolgst die strategie, ihn soweit zu provozieren, dass du letztlich von ihm sagen kannst, er sei etwa kompliziert oder schwierig. Belüge ihn kaltlächelnd im mitarbeitergespräch, es ist ja nur 1 aufgezwungene formalität. Führe ihm regelrecht vor, wie du die jungen förderst und hätschelst, wie du die jungen mit lob überschüttest, damit sie ihr selbstbewusstsein aufbauen. Er wird sich erinnern, dass man so mit ihm vor 30 jahren umgegangen ist.

Du hast dir mit der eingliederungshilfe eine aufgeblähte, faulige frucht gekauft – eine kartoffel, die immer heißer wird. Der trick ist es nun, die kartoffel wieder fortzuwerfen, bevor sie gärt und platzt. Gären und platzen tut sie, wenn du ihn infolge alters nicht mehr loswerden kannst. Denn selbstverständlich hast du nicht vorgehabt, das alte schleimige ‚etwas‘, das du da gefördert eingekauft hast, bis zur wirklichen pension durchzufüttern, mit ihm sämtliche krankenstände, todesfälle in der familie und reha-aufenthalte durchzustehen und zu finanzieren. Zerstöre sein selbstbewusstsein: zermürbe – zermürbe – zermürbe. Und hau ihn dann wieder raus: bevor das gärende ‚etwas‘ fault und platzt. Betriebsrat/gewerkschaft/AK werden ihn weichkochen und sagen: wollen sie das wirklich durchstehen? Ein gerichtsverfahren? Wo bis hin zum letzten kaffeetasserl und klopapierfetzerl alles analysiert und zerlegt wird? Du weisst doch eh, dass die meute (id est seine kollegen) sich feig hinter der firma verschanzen wird. Aus schwelender Existenzangst wird keiner wird zu ihm stehen oder ihm die stange halten.

die geschichte wurde durch den erfahrungsbericht eines betroffenen inspiriert, dessen schicksal in einer reputierten tageszeitung thematisiert worden war. Firmen, die ‚alte‘ aufnehmen, verfolgen auch ihre eigene strategie dahinter – billig erfahrung einkaufen, aber bloß nicht bis zum ruhestand durchfüttern. 2-3 mal passiert, ist die betroffene person (männl. Wie auch weiblich) mit dem selbstwertgefühl am ende – und kriegt dann noch das ams raufgeknallt mit bestrafungstaktiken, die ihn von heute auf morgen vorm nichts stehenlassen, selbstverständlich immer unter der androhung disqualifizierender zwangszuweisungen, ohne anrechnung einschlägiger bisheriger arbeitsjahre (weil neuer KV, etc). Diese alten leute sind keine ‚krätzen‘ - aber sie werden durch ausgeklügelte zermürbungstaktik zu solchen gemacht, zu solchen erklärt – und niemand da, der bezeugt, was da geschieht. Die feige schafsherde steht hinter dem boss, schaut zu – ängstlich, dass ihr dasselbe passiert.


bemerkenswerte linkliste von santaprecaria santaprecaria.wordpress.com



| Solana um 23:11 | |
Thursday, 7. May 2020

X) Netzausfall & Konferenzergebnis

es wurden weitere kanäle an öffi arbeit erörtert und digitale kommunikation besprochen. fortan wöchentlich zoom sitzungen immer mittwoch um fünf. weitere info folgt zeitnah!

hier die weitere info: wir wurden auf www.spendenparlament.at aufmerksam gemacht, quasi ein abgesang des amsand. betroffene konnten sich dort einfinden, kennenlernen, vernetzen. (jedoch wurde leider im raum stark geraucht). die 2 überaus kompetenten beraterInnen sind für uns nicht erreichbar. der bericht gab jedoch anlass für die äaö, sich an die armutskonferenz zu wenden, darüber hinaus wurde via facebook die verfasserin dessen www.derstandard.at angeschrieben. eine würdige nachfolgerin vom öllinger ist weiters www.ots.at also auch wenn uns der reihe nach die ini's wegbrachen, es gibt doch einige menschen auf der seite von nicht weniger als 572000 leuten, die von der regierung gerne vergessen werden. denn kurzgedacht wird nur für kurzarbeiter (die sind nicht kündigungsgeschützter als wir).

kurz noch zu weiteren ergebnissen der konferenz: das amescort begleit service wollen wir aufstellen: zu zweit zum ams termin (wir wiederholen: eams konto bitte nicht aktivieren: es birgt spontane gefahren bis zur bezugsaufhebung). die frontberichte: wir benötigen berichte aus den zwangsmaßnahmen, ob dies nun massenkurse sind, großraumaufbewahrungsanstalten, suggestive case manager oder verleiher (deren trainer arbeiten unter quoten-erfolgsdruck).

wir hatten heute morgen eine message control: das gesamte antville lag amSand. wir haben unser twitter sprachrohr somit stillgelegt, auch die mail adresse, die für die älteren arbeitslosen angelegt worden war. erreichbar sind wir daher leider weiterhin nur mittels anosmie@vollbio.de not-kanal, wenn antville komplett still steht (telegram app am handy kann dringend empfohlen werden t.me/wienkanal )

ad messagecontrol: wir wissen, dass die gegenseite, also die hoheitlichen vermittler, die fleißigsten leser von seiten wie dieser sind. wir entschuldigen uns dafür, dass wir missstände aufdecken: es sind uns alle sprachrohre und vernetzungen untereinander genommen. also lassen sie uns bitte das. die meisten, die die stimme erhoben sind eh schon stillgelegt (mit der pension zur inerten ruhe gestopft).



| Solana um 12:46 | |
Wednesday, 6. May 2020

IX) K(arrière)Zentren(?): It Works And Yes We Can.

Im Blog einer unserer Vorläufer-Organisationen wurde der Bericht einer Wienerzeitungs-Redakteurin implizit erwähnt (***.twoday.net/stories/1022673038), das wir hier den noch nicht allzulang rezenten KarriereZentren der Post gegenüberstellen wollen. Es gab für Postler keine arbeit, aber sie waren pragmatisiert. Man hatte die bezahlten, kündigungsgeschützten postler also wo unterzubringen, wo sie zwar durch bloße anwesenheit ihr tagewerk verrichten, dort jedoch keiner unmittelbaren tätigkeit nachgehen. Auch postler, die für ihre arbeit immer mühsam – etwa aus dem burgenland hereinpendeln hatten müssen – wurden dort untergebracht. 2 findigen kollegen gelang es, in ihrer tasche mit seitenteilen das visier einer kleinen kamera unterzubringen. Perfekt positioniert dokumentierte diese kamera den alltäglichen ablauf eines zentrums, wo menschen sich anöden, aber wissen, sie müssen hier ihr gehalt ersitzen. Diese geschichte wurde medial vorübergehend beleuchtet, geriet in vergessenheit, jedoch nicht für uns. Denn 2-3 jahre später berichtet eben jene redakteurin in löblichem ton vom großraum büro, in dem die arbeitslosen ihren tag zu verbringen haben – und die stätte wird sogar namentlich und löblich erwähnt: sie geht implizit aus obigem titel hervor. Prinzipiell handelt es sich bei der unternehmung um einen der im von der taskforcePersonal überlassenen weblog kritisierten personalüberlasser. Personal wird von diesen vermietet, dem mietobjekt wird mit der verheißungsvollen möglichkeit einer späteren anstellung gewunken. Es ist schon vorgekommen, dass tatsächlich leute übernommen wurden: aus der übernehmerfirma wurden sie leider flotter wieder freigesetzt, als deren vertrag mit dem überlasser gelaufen wäre. (anmerkung: die redakteurin spricht davon, dass alternativ zum sitzen im großraumbüro auch einzelcoaching möglich wäre (mit welchem druck, unter welchen umständen, entzieht sich unserer kenntnis)).

Vergleichen wir nun die karrierezentren der post mit dem großraum-überlasser, lässt sich sagen, dass erstere ja finanziell abgesichert waren, sie wussten, was auf sie zukommt, sie mussten im extremfall einfach die pensionierung abwarten oder bedauerlicherweise verfrüht krankheitsbedingt einen ruhestand antreten. Ganz anders jedoch verhält sich stimmung und daraus resultierende gruppendynamik bei den nicht-verliehenen im großraum des überlassers. Sie wissen nicht, wo sie hinkommen. Sie kommen dort gegen ihren willen hin, weil jede weigerung zum ‚nahrungsmittelentzug‘, sprich geld-entzug führt. Sie wissen: auch wenn sie bereits eine erhebliche gesundheitliche beeinträchtigung aufweisen: alles unter 80% amtlich konstatierter behinderung gilt als arbeitsfähig und muss ran. Übers KarriereZentrum gelang es freilich durch 2 wiffe teilnehmer, zu berichten. Das entsetzen war groß. Beim überlasser-großraum, so löblich er auch in der zeitung wegkam, schreit keiner auf denn ‚die verdienens ja‘ - sagen leute, die bis heute nicht der tatsache gewahr wurden, dass es sie – heute noch vielversprechende leistungsträger – jederzeit selbst treffen kann. Die fatalen einzelschicksale um die gesundheitskrise herum, die können davon ein lied singen.

ARRIÈRE
erlaubten wir uns, im titel signifikant hervorzuheben, da es in der übersetzung aus dem französischen: (nach) 'hinten' bedeutet, nach hinten gerichtet. also das gegenteil des vorwärtsstrebens. sind derlei überlasser tatsächlich: dortige trainer raten es einem sogar, diese selbst im lebenslauf anschließend zu verschleiern.
geübte personalisten haben ein auge darauf, ob jemand diesen dolchstoß bereits im beruflichen lebenslauf gezwungenermaßen erlitten hat.



| Solana um 06:27 | |


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